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Heute nach langer langer Zeit mal wieder ein Text. Denn wer schon länger meinem Blog folgt weiß, dass ich nicht nur fotografiere. Ich schreibe auch gern. Hier ein kleiner Text, der uns in die Zukunft blicken lässt ;P

Ein leises Ping ertönte aus dem Lautsprecher und verriet Harriet, dass es wieder soweit war.
»Josh, da ist wieder einer«, sagte sie völlig emotionslos.
»Alles klar, ich mache mich gleich auf den Weg.«
Er griff nach dem Zettel, den Harriet ihm entgegen hielt.
»Jason Bigs«, las er.
»Erst 27 Jahre alt. Welch ein Jammer.«

»Dieser Jason war ein richtig schlimmer«, sagte Josh grinsend, während er die Pornosammlung durchstöberte, die er unter dem Bett des Toten gefunden hatte.
»So eine Wohnungsräumung ist immer wieder unterhaltsam.« Er wedelte mit einem der Hefte vor dem Gesicht seines Kollegen herum.
»Haha, geil zeig mal her!« Georg griff danach und ließ sich auf den letzten Stuhl fallen, der sich noch in der Wohnung befand. Fast alle Möbel waren bereits im Transporter verstaut.

»Was zur Hölle ist hier los?«, brüllte eine Stimme aus dem Eingangsbereich der Zweizimmerwohnung. Vor Schreck ließ Georg das Heft fallen.
»Was machen sie in meiner Wohnung? Wo sind meine Sachen?«, schrie der Mann sie an.
»Das ist nicht ihre Wohnung«, sagte Josh trocken.
»Die Wohnung gehörte dem verstorbenen Jason Bigs und nun gehört sie der Stadt. Die neuen Mieter sind bereits auf dem Weg hier her.«
Unbeeindruckt von dem Fremden, wandte Josh sich wieder den Heften zu.
»Nein, das kann nicht sein, ich bin Jason Bigs«, antwortete der Fremde.
»Der Regierung wurde gemeldet, dass Jason Bigs seit mehr als 24 Stunden keinerlei Aktivitäten im Netz durchgeführt hat. Also wurde er für tot erklärt. Seine Daten wurden gelöscht. Wer auch immer sie zu sein glauben, sie sind nicht Jason Bigs. Und nun verlassen sie diese Wohnung.«
Josh’s Stimme klang kühl und ließ keine Wiederworte zu. Es war ihm schon oft passiert, dass Menschen in seine Arbeit platzten und behaupteten, sie seien nicht tot. Aber so war nun mal das Gesetz. Bist du nicht Online, bist du tot. Also werden deine Daten gelöscht, deine Habseligkeiten verkauft und deine Wohnung sofort an jemand anderes vermietet. Die Wartelisten waren lang und man durfte keine Zeit verlieren.
»Aber wo soll ich denn jetzt hin?«, fragte der Fremde, der behauptete Jason zu sein.
»Das ist nicht mein Problem«, entgegnete Josh.
In diesem Moment griff eine große Hand nach dem Arm des Fremden, die ihn unsanft auf den Flur hinaus schob.

Bewegungslos stand er da. Den Blick auf das Haus gerichtet, in dem er bis vor ein paar Stunden gelebt hatte.
»Na haste Ärger?«, fragte ein Mann in zerschlissener Kleidung.
»Die haben mich für tot erklärt«, antwortete Jason.
»Ich war unterwegs und hatte mein Handy vergessen.«
»Tja, zu dumm. Wenn du nicht weißt wo hin mit dir, komm mit mir. Ich bin ebenfalls tot. Genau wie die anderen bei mir zuhause«, sagte der Mann. Sofort lief er los.
Alles in Jason sträubte sich dagegen dem Mann zu folgen. Er war ein Penner, ein Landstreicher.
Aber wo sollte er sonst hin gehen? Und wenn es stimmte, dass alle dort “tot” waren, würde er sicher ein paar Antworten erhalten.

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2 Kommentare Gib deinen ab

  1. Claudi sagt:

    Das schreit nach mehr.. Wie geht’s weiter?

    Gefällt 1 Person

  2. lydeentales sagt:

    Extrem geniale Geschichte, ich bin total gespannt die andren lebenden Toten kennen zu lernen 🙂

    Gefällt 1 Person

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