Blutsheim…

am

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Heute habe ich noch einen kleinen Text für euch. Wie man unschwer erkennen kann, geht es darin um Zombies. Also Achtung! Es wird blutig. Nichts für schwache Nerven ;P

Ein kraftloses Röcheln erfüllte den Raum. Den modrigen Geruch mit einer Note von Wundsalbe nahm ich inzwischen kaum noch wahr. „Same procedure as every night“ murmelte ich vor mich hin während ich die Windel der alten Frau wechselte. Das Pflaster, welches die wundgelegene Stelle auf ihrem Rücken verdeckte, würde ich als nächstes tauschen. Wie gern würde ich alles hinschmeißen und einfach verschwinden. Vielleicht nach Schweden oder Finnland. Oder doch etwas wärmeres? Fast mechanisch säuberte ich die entzündete Wunde. Vielleicht Australien. Ich mag Kängurus.

Als das Handy in meiner Jackentasche zu vibrieren begann, rutschte ich vor Schreck mit dem Wattestäbchen aus und rammte es in das geschundene Fleisch. Ein leises Stöhnen entfuhr dem wehrlosen Körper. „Es tut mir leid Frau Berger. Kommt nicht wieder vor“, versuchte ich mich zu entschuldigen. Ob sie mich wohl verstand? Ich griff gedankenlos in meine Tasche und drückte den grünen Knopf. „Anna?…Anna bist du dran?“. Mist, ich sollte mir angewöhnen nachzusehen wer anruft bevor ich abnehme. „Mark ich kann jetzt nicht, ich arbeite“. Bevor er etwas erwidern konnte legte ich auf. Er wollte einfach nicht verstehen, dass es aus war.

In manchen Nächten, wenn ich durch die Gänge lief und nach den Bewohnern schaute, wurde mir mulmig zumute. So ein Gefühl, dass etwas nicht stimmte. Auch in dieser Nacht fühlte ich mich unwohl. Ich musste nur noch ein weiteres Zimmer kontrollieren, dann konnte ich mich wieder in mein Büro verziehen und fernsehen. Ich öffnete die Tür des Zimmers, dessen Bewohner ebenfalls bettlägerig war. Ein seltsames Schmatzen ertönte als ich mich der  Bettkante näherte. Ich trat einen Schritt zurück und sah hinunter auf den Boden. Das schummrige Licht, dass aus dem Flur in das Zimmer drang machte es mir möglich zu erkennen was dort vor mir war. Blut. Da war alles voller Blut. „Verdammte Scheiße!“, rief ich und knallte das Licht an. Hektisch zog ich die Bettdecke zurück. Ich schrie. Die Haut am Brustkorb des Mannes klaffte zu beiden Seiten auseinander und gab den Blick auf zerfetzte Muskeln und Sehnen frei. Mein Schrei verstummte als ich einen blutigen Klumpen sah. Das Herz. Es schlug. Völlig unfähig mich zu bewegen, beobachtete ich wie sich das Bein des Mannes über die Bettkante schwang. Das Zweite folgte ihm. Langsam und qualvoll richtete sich der Oberkörper auf. Etwas viel heraus. Irgendein Organ. Nun stand er vor mir mit herabhängendem Kopf und schlaffen Schultern. Ein tiefes Stöhnen entfuhr ihm, dann blickte er mich aus toten Augen an. Blitzartig erhielt ich die Kontrolle über meinen Körper zurück.

Ich hastete in den Flur und schloss die Tür hinter mir. Ein lautes Poltern erklang auf der anderen Seite. Fassungslos starrte ich die Tür an als ein lautes Klirren mich aus meiner Starre riss. „Fuck, das Fenster!“, rief ich. Was war nur los mit ihm? Eigentlich war dieser Mann völlig bewegungsunfähig. Ich musste ihm die Windeln wechseln, verdammt! Ein Gedanke kroch langsam in mein Gehirn, wie eine dicke fette Raupe die ein besonders grünes Blatt erspäht hatte. Zombie. Nein, so etwas gibt es nicht. Oder?

Endlich fand ich die Besinnung wieder und eilte in das Pflegebüro. Hastig drehte ich den Schlüssel zweimal um. Nur um ganz sicher zu sein. Ich nahm den Telefonhörer und wählte die Notrufnummer. Nichts. Absolut tot. Verzweifelt drückte ich den Auflegeknopf. Immer wieder. „Scheiße, verdammte!“ Ich zog das Handy aus meiner Tasche. Der Akku war leer. „Soll das ein verdammter Witz sei?“, schrie ich das Telefon an. Ich musste hier raus um Hilfe zu holen. Behutsam öffnete ich die Tür einen Spalt breit. Es war niemand zu sehen. Ich musste zum Haupteingang im Erdgeschoss. Ich bog nach links ab um die Treppe des Notausganges zu erreichen. Als ich an die nächste Abzweigung kam, hörte ich wieder dieses Röcheln. Direkt vor mir. Mein Puls beschleunigte sich und ich trat automatisch einen Schritt in die andere Richtung. Doch etwas in mir wollte wissen was dort hinter der Wand auf mich wartete. Ich ging in die Hocke und robbte an die Ecke. In dieser Höhe hatte ich größere Chance unentdeckt zu bleiben. Was ich sah als ich meinen Kopf nach vorn schob verschlug mir den Atem. Eine alte Frau lag mit ausgestreckten Gliedmaßen auf dem Boden. Eine Lache ihres eigenen Blutes umgab sie. Neben ihr kniete ein Mann. Sein Gesicht, seine Hände und seine Kleidung waren blutverschmiert. Ein widerlicher Geschmack wand sich meine Kehle hinauf als der Mann seine Hand in den geöffneten Bauch der Frau schob. Als er sie wieder herauszog, war sie voller Innereien. Genüsslich schob er sie sich in den Mund. Ich würgte. Ich spuckte. Mein gesamter Mageninhalt ergoss sich über den blauen Teppichboden. Als der Würgereiz endlich vorüber war und ich meinen Kopf hob, schrie ich erneut auf. Der blutverschmierte Mann hatte mich gehört. Natürlich hatte er mich gehört. Ich muss mich angehört haben wie eine röhrende Kuh auf der Weide. Er war bereits aufgestanden und wankte auf mich zu. Ich rannte schon bevor ich mich ganz aufgerichtet hatte. Hatte ich gerade wirklich beobachtet, wie der Typ die Frau gegessen hatte? Ich musste hier raus, und zwar schnell. Hätte ich Reifen gehabt, hätten sie gequietscht als ich um die nächste Ecke bog. Ein plötzlicher Zusammenstoß drückte den Rest Luft aus meiner Lunge, der noch geblieben war. Große Hände griffen nach mir. Umschlossen meine Oberarme. Panisch wand ich mich, doch ich kam nicht frei. „Anna, um Himmels Willen beruhige dich!“, erklang eine mir wohlbekannte Stimme. „Mark?“, keuchte ich. „Was machst du hier?“                                                                                                                                                  „Das sollte ich dich fragen, was ist in dich gefahren?“, er blickte mich besorgt an. Das herannahende Röcheln holte mich zurück in die Realität. „Schau selbst“, sagte ich und deutete um die Ecke. „Was zum Teufel?“, entfuhr es ihm. „Hey!“, rief er dem Toten entgegen. Mark setzte sich in Bewegung. Genau auf ihn zu. „Nein!“, schrie ich und packte ihm am Ärmel. „Er hat eine Bewohnerin gefressen. wir müssen hier raus.“           Ungläubig schaute er mich an. „Er hat was?“                                                                           „Wir haben jetzt keine Zeit. Komm!“ Ich zog fest an seinem Arm. Er warf noch einen Blick auf den Mann der immer näher kam und inzwischen seine Arme nach uns ausgestreckt hatte. Langsam kroch das Entsetzen auch in Mark’s Gesicht. „Ok“ sagte er und zog nun mich am Arm. „Da ist die Treppe!“, rief ich erleichtert als sie vor uns auftauchte. Von hier oben konnte ich bereits die große Glastür sehen, durch die wir hinaus gelangen würden. Nur noch ein paar Meter. Ein ohrenbetäubendes Poltern erklang einige Meter vor uns. Holz splitterte. Eine Tür wurde auf den Angeln gerissen und in den Flur hinein geschleudert. Dahinter folgten drei weitere blutverschmierte Bewohner. „Shit!“, rief Mark. Er packte meinen Arm noch fester und begann zu rennen. Auf die Treppe und damit auf die Zombies zu. Kurz überlegte ich mich zu wehren doch dann erkannte auch ich, dass es nur diesen Weg gab. Kurz bevor wir die erste Treppenstufe erreicht hatten, erreichte uns einer der Bewohner. Er griff nach Mark und bekam ihn an der Schulter zu fassen. In diesem Moment stieß mich Mark von sich. Ich taumelte nach hinten und prallte gegen das Galeriegeländer. Hilflos musste ich zusehen, wie Mark verzweifelt auf den Zombie einschlug. Immer wieder rammte er seine Faust gegen den Kopf des Toten, der immer blutiger zu werden schien. Endlich ließ der Zombie von ihm ab. Sofort nahm mich Mark wieder am Arm und wir rannten gemeinsam die Treppe hinunter. Erleichterung überkam mich als ich die deckenhohe Glasschiebetür vor uns auftauchen sah. In letzter Sekunde bremsten wir ab. Der Aufprall war hart und ich brauchte einen Moment um zu verstehen, dass die Tür sich nicht öffnete. „Scheiße!“, entfuhr es mir. „Wieso geht sie nicht auf?“                                                                              „Was ist das?“ Mark deutete durch die Tür hindurch auf den Parkplatz vor dem Heim. Ungläubig starrte ich auf das Szenario, dass sich vor mir bot. Scheinwerfer, die auf das Gebäude gerichtet waren, blendeten mich. Trotzdem erkannte ich ein Feuerwehrfahrzeug. Dann ein Polizeiauto. Ein Polizist stand seitlich neben dem Haupteingang. „Hey!“, schrie ich völlig von Sinnen. Mit Fäusten donnerten wir gegen die Glasscheibe. Der Polizist drehte sich zu uns. Er nahm sein Funkgerät vom Gürtel und sprach etwas hinein. Während er vermutlich die Antwort bekam, sah er mir in die Augen. Seine Lider senkten sich. Langsam und mit ernstem Blick schüttelte er den Kopf. „Was soll das bedeuten?“, schrie Mark und hämmerte noch energischer gegen das Glas. Der Polizist wandte uns den Rücken zu. „Nein!“, hauchte ich. „Wir müssen uns irgendwo verstecken“, sagte Mark und zog mich mit sich. Die Zombies waren nun fast bei uns. Ich übernahm die Führung. „In den Aufenthaltsraum“, rief ich Mark zu. Mit zitternden Händen drehte ich in den Schlüssel um und verschloss die Tür hinter uns. Mark lief zum Fenster um es zu öffnen. In dem Moment erloschen die Lichter. Um mich herum war es stockfinster. Der schwache Schein des Mondes, der das Zimmer erhellte, ließ mich allmählich Silhouetten erkennen. Mark stand noch immer am Fenster. „Es geht nicht auf, verdammt“, fluchte er. „Alle Fenster und Außentüren sind elektronisch. Sie haben uns den Saft abgedreht“, antwortete ich.                                                                                           Resigniert ließ ich mich auf den Boden sinken. Ich zog meine Knie fest an die Brust und umklammerte sie mit meinen Armen. „Wieso sperren die uns hier ein?“ Ich schluchzte. „Mark?“, fragte ich als er mir nicht antwortete. Ich sah zum Fenster, doch da war er nicht. „Mark?“, fragte ich erneut. Keine Antwort. Mein Herzschlag setzte fast aus als ich wieder dieses Röcheln hörte. Nicht weit von mir in einer Ecke des Raumes. „Mark?“, wimmerte ich erneut. Das Röcheln kam näher. Ich sprang auf, schloss die Tür wieder auf und rannte aus dem Raum. Nur Sekunden nachdem ich die Tür durchquert hatte, erreichte sie der Zombie von vorhin. Die Tränen stiegen mir in die Augen als ich den Gang entlang rannte. Wo war Mark? Ein greller Lichtschein blendete mich. „Stehen bleiben!“, rief eine männliche Stimme. Augenblicklich erstarrte ich. Ich brachte kein Wort heraus. Nur elendes Wimmern und Schniefen. „Feuer!“, rief die Stimme. Noch bevor ich irgendetwas denken konnte flogen die Patronen an mir vorbei. Eine Hand packte mich am Arm und zog mich mit sich. Ich drehte meinen Kopf und erkannte, auf wen sie geschossen hatten. „Mark?“, keuchte ich. Einer der Männer leuchtete ihm mit einer Taschenlampe an. Das was da am Boden lag sah nicht mehr aus wie er. An seinem Arm klaffte eine fleischige Bisswunde. Seine Haut hatte eine fahle, fast durchschimmernde Farbe angenommen. Violette Adern zogen sich bis in sein Gesicht hinauf. Mit blutunterlaufenen, leblosen Augen starrte er an die Decke.                        „Bring sie zu den Sanitätern.“ Hörte ich die Stimme sagen.

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